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    Muzen oder Nonnenfürzchen – Eine Spezialität im Karneval

    Von Dorothea F. Voigtländer | 4.Februar 2010

    Der erste Karnevalszug ging im Jahre 1314 in Köln – ein Klosterrezept hätte eigentlich alljährlich einen Karnevalsorden verdient!
    Tolle und fette Tage, warum? Was sind eigentlich die „Nonnenfürzchen?“ Das erste Karnevalslied schrieb eine Kölner Nonne um 1500

    Mutzen

    Von Dorothea F. Voigtländer

    Man weiß nur das Datum. Es soll im Jahre 1314 gewesen sein, und das in Köln im Rheinland. Wo sonst? Da zogen die ersten Narren (waren es die ersten?) in einem Karnevalszug durch Köln. Waren es verkleidete Reiter, jeck verkleidete Fußgänger? Es ist nicht zu erfahren, bekannt ist nur das Datum, das irgendwer herausgefunden hat. Zwei Jahrhunderte später hat der Kölner Ratsherr Weinsberg über den Karneval in Köln geschrieben, sein Hausbuch ist bis heute eine der reichsten Quellen des Rheinlandes. Er schreibt über die Besuche von Familien und Nachbarn, an den Karnevalstagen gab es keine Standesunterschiede. Das ist das uralte Prinzip der tollen Tage, alle sind gleich, jeder Jeck is anders, und jeder Jeck is anders jeck. Es wurde gerne viel gegessen und getrunken, gefeiert, was das Zeug hielt, denn ab Aschermittwoch folgte die sechswöchige Fastenzeit im katholischen Rheinland. Schmaus und Tanz waren also wichtig.

    Sogar in den Frauenklöstern durfte es lockerer als sonst zugehen. Das älteste Kölner Karnevalslied ist von einer Nonne mit Namen Anna so um 1500 geschrieben worden. Und 1728 war es wieder eine Nonne, die von einem ganz besonderen Kaffeekränzchen berichtete, bis zwei Uhr nachts wurde geschmackvoller Tee, Kaffee und gar Schokolade im Kloster verkonsumiert. Es gab Zimtwaffeln, die mit einem scherenförmigen Handeisen über offener Flamme gebacken wurden. Aus flämischen Klöstern stammte dieses Rezept. Von dort kommt auch das im ganzen Rheinland bekannte Gebäck „Muzen“ und „Muzemändelchen“, mit Rum und Rosenwasser gebacken. Man nennt sie auch „Nonnenfürzchen“ – ob sie wohl auch von den Nonnen erfunden wurden, diese Rezepte? Im Volksmund heißen sie jedenfalls so. Und sie sind ganz schön schwer verdaulich und liegen fett im Magen, sodass ein Tässchen Schnäpschen nach dem Verzehr von „Nonnenfürzchen“ gut für die Verdauung ist. Das treibt die lustige Stimmung auf den Siedepunkt, denn vor Aschermittwoch darf man das noch.

    Weil also im Rheinland die tollen Tage auch gleichzeitig die fetten Tage sind, wird Fettgebackenes geliebt, und das am liebsten am „Fetten Donnerstag“, also am Tag von Weiberfastnacht.

    Wer das Rezept der gepriesenen „Nonnenfürzchen“ wissen will, hier ist es:
    Man nehme 500 Gramm. Mehl, einen Teelöffel Backpulver, 125 Gramm Butter, 125 Gramm Zucker, zwei Eier, ein Gläschen Rum, Ein Achtelliter Milch. Sanft lässt man die Butter zergehen, Zucker, Rum und Eier werden schaumig darunter gerührt, nun folgen Mehl und Backpulver dazu, bis mit fleißigem Umrühren ein Teig entsteht. Der muss Blasen werfen. Dann muss dieser Teig dünn ausgerollt werden, man schneidet schräge Vierecke daraus, die dann in heißem Öl ausgebacken werden, bis sie goldgelb leuchten. Herausgenommen aus dem heißen Öl werden sie mit Puderzucker geschmückt, Oma tat noch Rosenwasser darüber.
    Und diese Kostbarkeit zergeht verlockend auf der Zunge, liegt dann aber doch schwer im Magen von dem heißen Öl.

    Von anno dazumal hat sich dieses Klosterezept von einer Generation auf die andere weitervererbt, ein Klosterezept, das in der Karnevalszeit Hochsaison hat und heiß geliebt wird.

    Woher ich das alles weiß? Zuerst von meiner Oma, die alljährlich für die ganze Familie „Muzemändelchen“ zu Karneval gebacken hat. Dann von der sehr bekannten und begabten Buchautorin und Journalistin, eine Freundin und meine Mentorin Dr. Irmgard Wolf, die sich bis zu ihrem Tod mit 92. Jahren die Mühe gemacht hat, neben anderen rheinischen Geschichten auch liebevoll Rheinische Bräuche, Rezepte, Sagen und Geschichten „Von Karneval bis Erntedank“ in einem Büchlein zu sammeln. „Du musst das weitergeben“, sagte sie zu mir, „damit es nicht vergessen wird, lese es und schreib es um, damit es immer aktuell bleibt“. Im Avlos Verlag Thomas Frahm, Köln/Duisburg ist es 2001 erschienen, eine kostbare kleine Fundgrube.  ISBN 3-929634-61-9

    Über Frau Dr. Irmgard Wolf habe ich auch in meinem Zeitzeugenbuch „Mein Bonn“ ein Porträt geschrieben, erschienen im Zeitgut Verlag, Berlin.

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